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Gallionsfigur der Seute DeernDie Geschichte der heutigen Bark "Seute Deern" beginnt 1919 mit der Fertigstellung des Viermastgaffelschoners "Elizabeth Bandi" bei der Gulfport Shipbuilding Co. in Gulfport, unweit der Mississippimündung, mit einer Länge von 53,50 m, einer Breite von 11,30 m und einer Raumtiefe von 4,57 m bei einer Größe von 767 BRT. Das Schiff war für die Holzfahrt bestimmt und führte am Bug zwei Pforten zur Einführung von Langhölzern in den Laderaum. Auf ihrer Jungfernfahrt, beladen mit Holz für Bahia, verschwand der Kapitän spurlos. Wurde er von der See mitgenommen, ging er freiwillig? Es wird immer ein ungelöstes Geheimnis bleiben. Das Verschwinden des Kapitäns schien die Besatzung mit grauen erfüllt zu haben. Sie verließ das Schiff und ruderte davon. Wie ein Geisterschiff trieb nun der Schoner vor der Atlantikinsel Saint Thomas.

Der Verlauf der "Elizabeth Bandi" nach Finnland führt das Schiff 1931 nach Liverpool und 1932 in seinen neuen finnischen Heimathafen Sotkamo, wo es wiederum zur Holzfahrt, nunmehr von finnischen Häfen nach England, verwendet wurde. Bei einem erneuten Besitzerwechsel wurde der Heimathafen des Schoners nach Rauma verlegt und das Schiff auf den Namen "Bandi" umgetauft. 1938 erwarb die Hamburger Tankreederei die "Bandi" und ließ sie auf der Werft von Blohm & Voss zur Dreimastbark umbauen. Als Dreimastbark getakelt, umgetauft auf den Namen "Seute Deern", mit einem "süßen Mädchen" am Bug als Gallionsnfigur und am Heck die deutsche Flagge, startete sie ihre neue Karriere als frachtfahrendes Schulschiff für die Reederei Eßberger. Auf der Kieler Woche war die "Seute Deern" nun ein Star unter den Windjammern. Doch mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde der Aktionsradius der Bark stark eingeschränkt; sie verkehrte ab 1941 nur noch im Küstenbereich bei Rügen auf dem Greifswalder Bodden. Der Besonnenheit des Kapitäns ist es zu verdanken, dass die "Seute Deern" nicht dem Zerstörungsbefehl zum Opfer fiel. 1954 wurde das Schiff wieder einmal verkauft, und zwar nach Holland, wo sie den Namen "Pieter Koerts" erhielt und in ihrem neuen Heimathafen Delzijl als Jugendherberge diente. Da sich aber Delzijl die hohen Reparaturkosten von 40.000 hfl. nicht leisten konnte, wurde sie wieder unter altem Namen "Seute Deern" nach Deutschland verkauft.

Helgoland, Cuxhaven, Hamburg und Bremen warben um den alten Segler. Doch erhielt Bremen 1966 den Zuschlag und gründete mit der Bark "Seute Deern" die Stiftung "Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven". Das Schiff ist seitdem in der Publikumsgunst sehr gestiegen und die Stifter haben sich nicht gescheut, dem Museum die fachgerechte Restaurierung und Konservierung dieses einmaligen Objektes durch ganz erheblichen Zuwendungen zu ermöglichen. Die "Seute Deern" ist heute der größte hölzerne Frachtsegler der Welt, der im Original erhalten geblieben ist (Länge über alles: 75,50 m).

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